TOBIAS  RAUSCH 

Steuerberatung in Hannover
 

Besteuerung von eSportlern

Die Zahl der eSport-Anhänger nimmt weltweit zu. Die Partien von League Of Legends begeistern mittlerweile mehrere tausend Zuschauer Live in Arenen oder vor dem Fernseher. Reale Sportvereine wie z.B. Schalke 04 unterhalten seit 2016 eigene eSport-Abteilungen und gehen bei FIFA-Turnieren virtuell auf Torejagd. Je professioneller und kommerzieller der Sport wird, desto größer wird natürlich das Interesse junger, ambitionierter Spieler als Pro-Gamer den Lebensunterhalt zu verdienen. Zu beachten ist, dass die erzielten Preisgelder natürlich steuerliche Konsequenzen mit sich bringen.

Steuerpflicht

In Deutschland lebende natürliche Personen sind unbeschränkt steuerpflichtig, wenn sie ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben. Die unbeschränkte Steuerpflicht führt dazu, dass die weltweilt erzielten Einkünfte grundsätzlich in Deutschland zu versteuern sind. Hierunter zählen auch Preisgelder, die auf Turnieren im Ausland gewonnen werden. Es kann vorkommen, dass der ausländische Staat Quellensteuer einbehält, die man sich in Deutschland anrechnen lassen kann. Die genauen Regelungen sind zumeist in sogenannten Doppelbesteuerungsabkommen geregelt, die zwischen zwei Staaten abgeschlossen werden, um eine doppelte Besteuerung zu vermeiden.

Fraglich ist, welcher Einkunftsart die Einkünfte zugeordnet.

Gewerbliche Einkünfte

Bei einem eSportler, der auf eigene Rechnung spielt, ohne dabei von einer Organisation unterstützt zu werden, ist m.E. grundsätzlich von einer Gewerblichkeit auszugehen. Die Teilnahme an Turnieren wird dann als Gewerbebetrieb nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG qualifiziert.

Ein Gewerbebetrieb ist eine selbständige und nachhaltige Betätigung, die mit Gewinnerzielungsabsicht unternommen wird, sich als Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt und nicht als Ausübung von Land- oder Forstwirtschaft oder selbständiger Arbeit anzusehen ist; darüber hinaus darf es sich bei der Tätigkeit nach der Rechtsprechung nicht um private Vermögensverwaltung handeln. Zwar stellen Preisgelder (z.B. einer Lotterie) aufgrund des Glückspielcharakters keine Teilnahme am wirtschaftlichen Verkehr dar. Jeder eSportler wird aber zustimmen, dass der Gewinn eines Turnieres mehr vom Können als von Glück eines Spielers bestimmt wird (ähnlich eines Pokerspielers; vgl. hier BFH vom 16.9.2015, X R 43/12). Dementsprechend liegt eine steuerpflichtige gewerbliche Tätigkeit vor, die dazu führt, dass sämtliche Einkünfte auch der Gewerbesteuer unterliegen.

Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit

Im Gegensatz zur selbstbestimmten Teilnahme an eSport-Turnieren ist es natürlich denkbar, dass eSportler als Arbeitnehmer lohn- und sozialversicherungspflichtig sind. In diesem Fall erhalten die eSportler ein monatliches Gehalt und partizipieren nur indirekt von den Preisgeldern. Die Preisgelder stehen vorrangig der Organisation zu. Das Preisgeld kann indirekt über einen Bonus oder Prämie an den eSportler weitergegeben werden.

Die Einkommensteuer ist mit dem Lohnsteuerabzug, den der Arbeitgeber tätigen muss, abgegolten. 

Die Einordnung muss im Einzelfall detailliert untersucht werden, da vertragliche Regelungen hier eine entscheidende Rolle spielen, ob eine selbstständige gewerbliche Tätigkeit oder eine nichtselbstständige Tätigkeit als Arbeitnehmer vorliegt.